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Liebeserklärung der Lastauer

"Unser Dorf hat Zukunft": Landeskommission besichtigt Colditzer Ortsteil

Zwischenstopp im Kindergarten: Leiterin Sonja Lägel (r.) erzählt den Kommissionsmitgliedern Interessantes zur Einrichtung. Foto: Robin Seidler

Colditz/Lastau. "Kennst Du in Sachsen das Muldenland, da gibt's ein Dörfchen, Lastau wird's genannt. Umrahmt von Wäldern und Wiesen so grün, ja das ist Lastau, da musst Du mal hin!" Diese erste Strophe stammt aus der Feder der Lastauer Einwohnerin Olivia Fichtner, die eigens für den Besuch der Landeskommission das Kufsteinlied umgedichtet hat. Die Dresdener Delegation des Sachsen-Wettbewerbes "Unser Dorf hat Zukunft" war gestern sichtlich beeindruckt.
Wenn man die gestrige Präsentation mit der vom Kreisausscheid vergleicht, stellt man fest, dass die Lastauer noch ein paar Asse mehr aus ihren Ärmeln gezaubert hatten. Fast eine Stunde überzogen Heimatvereinsvorsitzender Ronny Kriz und sein engagiertes Team gestern die Vorstellung. Das lag allerdings auch daran, dass die Kommissionsmitglieder aus dem Staunen kaum herauskamen und viele ungeplante Zwischenstopps im Dorf einlegten.

Nach einem Imbiss und einer Vorstellungsrunde im "Rüsterhof" ging es zum Mehrgenerationenhaus. "Ich hoffe, dass es in unserem Dorf nur heute bei der Präsentation bergab geht", gab Ronny Kriz augenzwinkernd die Richtung vor. Im 2010 fertig gestellten Gemeinschaftshaus tummelten sich die Kommissionsmitglieder dann fast eine Stunde. Schließlich gab es viel zu entdecken: Lars Fuhrmann stellte die "Windelrocker" - gestern zur Mittagszeit aber ohne Kinder - vor, Sebastian Meinert erzählte ausgelassen über die Räumlichkeiten für die Jugend. Als es für die Delegation in die obere Etage ging, wartete dort bereits Ortschronistin Siglinde Naumann mit ihren gesammelten Werken. "Ich sammele seit 48 Jahren alles zu Lastau. Heute habe ich hier zwölf Aktenordner zum Stöbern bereitgelegt."

Dazu kam sie mit mehreren Mitgliedern der Kommission ins Gespräch und gab kompetent Auskunft. Zu Wort kamen dann auch Jugendliche des Dorfes, die im vergangenen Jahr gemeinsam mit Studenten der Hochschule Mittweida einen Film über Lastau drehten. Als besonderes Präsent bekam jedes Delegationsmitglied eine DVD davon mit auf die Heimreise.

Weitere Stationen waren der Kindergarten, der Pfarrhof, die Kirche sowie die Fischtreppe in der Mulden-aue. Nach dem gut dreistündigen Rundgang war Juryleiter Markus Thieme mehr als beeindruckt: "Eine ganz starke Präsentation. Mit dem Dorf Lastau geht es wirklich bergauf. Das Dorf ist sehr sympathisch."

Die Auswertung im Landeswettbewerb ist für den 18. Juli avisiert. Dann erfährt Lastau wohl auch seine Platzierung. Für den Fall, dass Lastau gewinnt, würde das Dorf im nächsten Jahr am Bundeswettbewerb teilnehmen.

Robin Seidler

 

In der Sendung "MDR um Zwölf" vom 27.06.2012 gab es einen kurzen Beitrag zum Besuch der Kommission des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft".

Link zur Aufzeichnung in der MDR Mediathek (Start ab 6:53)

Hallo Sachsen, hier kommt Lastau!

Landesweiter Dorfwettbewerb: Kreissieger präsentiert sich am Dienstag

Tor zum Muldental: Hinter Lastau beginnt unmittelbar der Landkreis Mittelsachsen.

Colditz/Lastau. Lastau, das Tor zum Muldental, möchte den nächsten Volltreffer landen: Nachdem die 222 Einwohner bereits den Kreisausscheid  des 8. Landeswettbewerbes „Unser Dorf hat Zukunft“ gewannen, wollen sie sich nun auch sachsenweit behaupten. Zwölf Konkurrenten, von Cunnersdorf bis Rammenau, gehen an den Start. Doch während sich die Landeskommission sonst immer zwei Orte pro Tag vornimmt, ist Lastau am Dienstag der einzige Besichtigungstermin. Vermutlich ist das preisgekrönte Dorf viel zu schön, um gleich wieder abzureisen.

Obwohl winzig klein hat Lastau wie die „Großen“ streng genommen sogar Ortsteile aufzuweisen: Das Hauptdorf liegt etwas höher, die „Muldenaue“ dagegen am Fuße des legendären Burgberges. An den einstigen Aussichtsturm, Wahrzeichen Lastaus, erinnern nach Beschuss im Zweiten Weltkrieg zwar nur noch ein paar Steine. Doch Höhepunkte hat das 981 in der Chronik Thietmars von Merseburg erstmals erwähnte Dorf auch ansonsten zu bieten: den früheren Gasthof Lastau etwa. Dieser war dem Verfall preisgegeben, ehe der Heimatverein das alte Gemäuer nach der 1025-Jahrfeier erwarb und ein Konzept für ein Mehrgenerationenhaus erstellte: „Anderthalb Jahre lang traf sich das ganze Dorf jedes Wochenende zu Arbeitseinsätzen. Unsere Leib- und Magenköchinnen Petra Weise, Helga Sprigade und Simone Althammer sorgten für die nötige Stärkung und los ging es“, erinnert sich Vereinsvorsitzender Ronny Kriz.

Inzwischen ist das Haus mit Spielplatz, Volleyballfeld und Grillecke das Herzstück des Dorfes. Hier pulsiert das Leben – mit Frauensport, Skatrunden, Jugendklub, Rentnertreff und nicht zu vergessen den „Windelrockern“. Die kultigen Lastauer bauten übrigens nicht nur ein einziges Mehrgenerationenhaus: Für den Tag der Sachsen in Grimma konstruierten sie es zudem auch noch aus Holz. Beim Festumzug in Mittweida hatte die Dorfgemeinschaft dann die Burgbergruine aus Styropor präsentiert, um sie im Anschluss dem Kindergarten als Spielgerät zu schenken.

Der „Löwenzahn“, mit 16 Steppkes eine der wohl kleinsten Kitas, freute sich riesig darüber. Im Gegenzug engagiert sich Leiterin Sonja Lägel auch in diesem Jahr beim Einstudieren des Theaterstücks. Zum Auftakt des Dorf- und Gemeindefestes wird am 7. Juli „Zwerg Nase“ gegeben – und fast alle Lastauer spielen mit.

13.30 Uhr trifft sich am Dienstag die gestrenge Kommission unter Leitung von Markus Thieme in der Gaststätte „Rüsterhof“. Von dort aus geht es die Dorfstraße entlang. Dabei genießen die Juroren den Blick zum Rochlitzer Berg und ins Auenbachtal. Im Mehrgenerationenhaus zeigen Jugendliche um Johanna Braun, Stephanie Weinert und
Tobias Zießmann Ausschnitte ihres Lastau-Films, den sie voriges Jahr gedreht hatten. Neben Kindergarten, Wasserkraftwerk, Fischtreppe und Parkhotel besichtigt die Jury auch Dorfteich, Friedensdenkmal und Kirche.

Kantor Albert Peter Bräuer erläutert unter anderem die 1817 von Johann Michael Böhme eingebaute Orgel mit Zimbelstern und sechs Bronzeglöckchen, die etwa zu Weihnachten den Klang versüßen. Die Lastauer sind stolz auf ihre Kirche. Kein Geringerer als Christian Führer hatte hier seine erste Pfarrstelle, ehe er an die Nikolaikirche nach Leipzig wechselte und mit seinen Montagsdemonstrationen Geschichte schreiben sollte. Ob sie den vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie ausgelobten Titel nun holen oder nicht: Für die Lastauer ist ihr Heimatort eh der schönste – mit Friseur, Elektromeister, Metallbauer, Maler, Tischler, Fuhrmann, Raumausstatter, Lohnsteuerbüro, Gastwirtschaft „Grüne Aue“ und monatlicher Arztsprechstunde.

Nein, die Lastauer weißen in Erwartung des hohen Besuches nicht etwa die Birkenstämme, lachen Vereinsvorsitzender Ronny Kriz und Stellvertreter Ronny Meißner: „Lastau ist von Haus aus schön. Viele Grundstücke sind modernisiert. Auch junge Leute ziehen zu uns. Robert und Janka Gärtitz mit Töchterchen Naima sanieren derzeit ein über zehn Jahre leer stehendes Fachwerkhaus. Wie gesagt: Unser Dorf hat Zukunft.“

Haig Latchinian

Wunderschöne Landschaft: Das 222-Seelendorf Lastau besteht aus zwei Ortsteilen – der „Muldenaue“ am Fuße des Burgberges und wie hier zu sehen – dem Hauptdorf mit Kirche. Foto: Robin Seidler 

Methauer sauer: Brücke über die Zwickauer Mulde gesperrt

Fußweg kann nicht mehr genutzt werden

Lastau/Zettlitz. Sperrschild und Absperrgeländer: Der Fußweg an der Eisenbahnbrücke in Lastau kann nicht mehr genutzt werden. Das stößt bei Spaziergängern und Radfahrern auf Unverständnis. Gisela und Harald Teicher aus dem Zettlitzer Ortsteil Methau beispielsweise haben die Abkürzung oft genutzt, um die Zwickauer Mulde zu überqueren.

"Jetzt müssen wir den Umweg über Rochlitz oder Colditz in Kauf nehmen, wenn wir nach Schwarzbach wollen", sagt der Ehemann. Und der 65-Jährige fügt hinzu: "Es kann doch nicht sein, dass die Brücke einfach für Fußgänger dicht gemacht wird. Unsere Vorfahren haben sich beim Bau der Fußgängerbrücke doch etwas gedacht." Teicher wundert sich obendrein, dass die Region auf den Tourismus setzt, dann aber eine Fußgängerbrücke über die Mulde sperrt, die von Ausflüglern gern genutzt wird.

Der Colditzer Bauamtsleiter kann den Ärger der Radler und Wanderer verstehen. "Aber wir mussten die Brücke aus Sicherheitsgründen für Fußgänger sperren", sagt Jürgen Uhlig. Bei einer Begehung hätten Fachleute festgestellt, dass Laufbohlen und Traghölzer teilweise morsch sind. "Das Risiko ist einfach zu groß", begründet der Bauamtschef die Entscheidung.

Uhlig macht indes auch keine Hoffnung auf eine kurzfristige Lösung. Denn die aufwändige Reparatur des Bauwerkes kostet seinen Angaben zufolge einen höheren fünfstelligen Betrag. Selbst die Metallkonstruktion muss laut Uhlig wahrscheinlich neu konserviert werden. "Und wir müssen auch die Kirche im Dorf lassen", wirbt der Bauamtschef für Verständnis. Früher hätten viele Arbeiter die Brücke genutzt, um zur Papierfabrik und zur Fensterbaufirma zu gelangen - doch die gibt es mittlerweile nicht mehr. "Insofern nutzen nur noch wenige Spaziergänger die Muldenquerung", zeigt Uhlig auf. Wie viele es genau sind, konnte der Bauamtschef nicht sagen. Zählungen habe die Stadt Colditz noch nicht durchgeführt. "Und der Muldentalradweg verläuft nicht über die Brücke, sondern entlang der Straße", argumentiert Behördenleiter Uhlig.

Kartenausschnitt

Ob die Arbeiten an der Brücke in den diesjährigen Colditzer Haushaltsplan aufgenommen werden, steht noch in den Sternen. Laut Uhlig gibt es in der Stadt und ihren Ortsteilen dringendere Projekte. "Zudem müssen wir erst einmal sehen, was aus der Bahnbrücke wird", sagt er. Wie die Deutsche Bahn am Mittwoch mitteilte, wird die Angelegenheit geprüft.

erschienen am 29.02.2012 ( Von Heike Hubricht )