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Hochschule Mittweida dreht mit Jugendlichen ein Video

Beim Interview: Mitten im Dorf stehen die Lastauer Jugendlichen Rede und Antwort. Zum Teil versuchen sich die einheimischen Mädchen und Jungen sogar als Kameramann. Foto: René Beuckert

Colditz/Lastau (bpa). Lastau fügt sich dieser Tage malerisch in die Herbstlandschaft ein. Für das Filmteam der Hochschule Mittweida hätte es keinen besseren Zeitpunkt geben können, als gerade jetzt eine Dokumentation über den kleinen Ort zu drehen. Ronny Kritz vom Heimatverein: "Unser Ort bettet sich in eine kleine Hügellandschaft ein, die alljährlich von Wanderern durchstreift wird." Besonders das Aubachtal strahle im Moment mit der bunten Blätterwelt seinen einzigartigen Reiz aus." Das Touristische sei aber nur eines der Anliegen, über Lastau einen Film zu drehen. Vielmehr gehe es darum, über den Ort mit seinen Bewohnern eine Geschichte zu erzählen, in der sich das Leben widerspiegelt. "Obwohl Lastau ein kleines Dorf ist, hat sich über die Jahre hinweg der Kindergarten erhalten", erzählt Ronny Kritz. Genauso gehöre die Kirche mit dazu, in der neben den Gottesdiensten ebenso Veranstaltungen stattfinden. "Was die Lastauer verbindet, ist ihr Dorfgemeinschaftshaus", betont er. So legten bei der Umgestaltung des einstigen Gasthofes in eine Begegnungsstätte die Bewohner selber mit Hand an. Doch die Lastauer kamen sich schon zuvor näher. So feiern sie seit Jahren ihren Fasching und begehen zusammen ihr Dorffest. Eigens dafür haben sie hinter dem Dorfgemeinschaftshaus einen Platz gestaltet. Im Pfarrgarten wird Theater gespielt, dabei setzen sich jung und alt in Szene. In die Märchen werden dabei auch Begebenheiten aus dem dörflichen Leben mit eingebaut, was beim Publikum stets für Heiterkeit sorgt. All das soll sich jetzt auch in dem Film über den 981 erstmals erwähnten Ort wiederfinden. "Da nicht zu allen Ereignissen eine Filmeinstellung möglich ist, stellen wir eigenes Bildmaterial zur Verfügung", sagt Kritz. Mit der Kamera eingefangen werden auch die sportlichen Aktivitäten: So schmettert die Jugend am Volleyballnetz, die Älteren zeigen bei der Gymnastik ihre Beweglichkeit. Zustande gekommen war der Videodreh über die "Aktion Mensch". Durch die Beteiligung gerade der jungen Leute aus dem Dorf wurde diesen die Möglichkeit gegeben, mit den Filmemachern ein gemeinsames Projekt auf die Beine zu stellen. So zogen sie mit den Kameraleuten durch die Ortschaft, fragten Bewohner unter anderem danach, weshalb Lastau für sie ein lebenswerter Ort ist. "Für uns stellt die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen eine Bereicherung im Medienstudiengang der Hochschule dar", bemerkt Student Karl Weber. Die Kunst bestehe nun darin, das über drei Tage gedrehte Videomaterial auf etwa 20 Minuten Länge zu schneiden. Auch dabei werden die Lastauer Jugendlichen mit einbezogen, zumal sie im Studio sogar noch einige Texte einsprechen werden.

Dorfgemeinschaft versetzt Berge

Verein: Heimatverein Lastau und Umgebung

Mit dem Heimatpreis in der Kategorie Vereine geehrt: der Heimatverein Lastau und Umgebung.

Er sprudelt nur so über vor Ideen, noch wichtiger: Er setzt sie auch um – der Heimatverein Lastau. Seit Jugendliche und junge Erwachsene vor elf Jahren den Verein in dem 250-Seelen-Dorf gründeten, zeigen die mittlerweile 35 Mitglieder mit ihrem Vorsitzenden Ronny Kriz vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, dass dörfliches Leben in der Colditzer Aue keine Last, sondern eine Lust sein kann. Sie organisieren Frühlingsfeste und  Weihnachtsfeiern, beim gemeinsamen Dorf- und Kirchgemeindefest ist das Theatermärchenspiel eine schöne Tradition. Der Verein engagiert sich aber auch in der Seniorenbetreuung, bringt sich beim Colditzer Birkenfest ein. Und er macht die Colditzer Region auch über die Kreisgrenze hinaus bekannt: Für den Tag der Sachsen 2009 baute der Verein den Wettiner Turm zu Lastau, heute nur noch ein Bruchsteinhügel auf dem Burgberg, nach.

2007 beteiligte sich der Ort auf Initiative des Vereins, der sich die Erhaltung der charakteristischen Drei- und Vierseithöfe ebenso auf die Fahne geschrieben hat wie Ausbau, Verknüpfung und Vermarktung touristischer Angebote, erstmals am Dorfwettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ – ein Meilenstein für die dörflichen Aktivitäten. Dabei belegten die Lastauer auf Anhieb den 2. Platz und erhielten beim anschließenden Bezirkswettbewerb einen Sonderpreis für aktive Jugendarbeit. Auch in diesem Jahr will der Verein wieder bei diesem Wettbewerb punkten.

Das größte Projekt aber ist das Mehrgenerationenhaus, das im November vergangenen Jahres seiner Bestimmung übergeben wurde. 2009 hatte der Verein begonnen, den dem Verfall preisgegebenen Gasthof umzubauen, ein Investitionsvorhaben von rund 280 000 Euro. Dafür wurden 125 000 Euro über das Förderprogramm zur Entwicklung im ländlichen Raum akquiriert. Die Eigenmittel kamen aus Spenden, Einnahmen aus Vereinsfesten, Sparkassenstiftung sowie vor allem an Wochenenden erbrachten Eigenleistungen der Lastauer. Besonderer  Erwähnung aber bedarf: Zur Vorfinanzierung der Fördermittel gab die Dorfgemeinschaft ein Darlehen von 65 000 Euro. Das Projekt „ist in dieser Dimension einzigartig für einen Verein und deshalb eine Anerkennung für alle Helferinnen und Helfer wert“, meint Laudator Lutz Simmler vom Koordinierungskreis für die Leader Region Leipziger Muldenland, der – wie auch Bücherstube Colditz, Kirchgemeinde Colditz-Lastau und Familie Karl Fritzsch – den Verein für den Heimatpreis vorgeschlagen hatte. Mit dem Haus, das seinem Namen nach allen offen steht, wurde ein Ort für vielfältige Aktivitäten geschaffen. „Da viele selbst mitgearbeitet haben, ist die Verbundenheit hoch“, sagt Ronny Kriz. Ob Jugendclub, Rentnertreff oder Uraniavorträge, Bürgermeistersprechstunde, Workshops oder Informationsrunden – Nutzungsideen gibt es viele. Die wohl jüngsten Nutzer sind übrigens die Windelrocker, eine Eltern-Kind-Gruppe, die sich hier seit Kurzem trifft. Ines Alekowa

Worte eines „heimatlosen Gesellen“

Hielt im KulturGut Thallwitz zur 20. Heimatpreisverleihung vor zahlreichen Gästen die Festansprache: Eberhard Lüderitz.

Landrat und Leipziger Volkszeitung verleihen in Thallwitz zum 20. Mal den Heimatpreis

Thallwitz. Jens Müller aus Brandis, Heimatverein Lastau und Umgebung, Schülerkochteam der Mittelschule Falkenhain – so heißen die Heimatpreisträger für das Jahr 2010. Die vom Landrat und der Leipziger Volkszeitung gestiftete Auszeichnung wurde am Sonnabend bereits zum 20. Mal vergeben.
Die Wurzeln des Heimatpreises liegen im Altkreis Wurzen. Mit der Entstehung des Muldentalkreises wurde er gebietsmäßig zum ersten Mal ausgedehnt, vor zwei Jahren wurde er nach der neuerlichen Verwaltungsreform erstmals im Landkreis Leipzig vergeben. Verliehen werden die Auszeichnungen an Menschen, die besondere Leistungen im Bereich der Geschichts- und Baudenkmalpflege oder im Bereich der heimatkundlichen und  heimatgeschichtlichen Forschung erbrachten oder die besondere Aktivitäten zur Erhaltung und Pflege von Kultur und Volkskunst oder im Naturschutz,in der Naturpflege oder der naturkundlichen Bildung erbrachten. Kurz: Mit dem Preis werden Menschen ausgezeichnet, die die Ärmel hochkrempeln und etwas für ihre Heimat tun – „mehr als nur die Pflicht“, wiees Jens Müller in seinen Dankesworten nach der Preisverleihung ausdrückte. Das gilt auch für Jugendliche, deren Sonderpreis im Namen ausdrückt, was honoriert werden soll: Eine Auszeichnung bekommt, wer mit seinem Handeln Impulse gibt – für die Region und für andere.

Dominierte im vergangenen Jahr noch das Leipziger Land bei den erwachsenen Preisträgern mit Dietrich Wünschmann aus Zwenkau und dem Natur- und Heimatverein Groitzsch, so setzten sich diesmal Muldentaler durch. Sie erhielten ihre Preise bei strahlendem Sonnenschein im Thallwitzer Kulturgut, begleitet von zum Nachdenken anregenden Worten von Eberhard Lüderitz. Von einem Festredner, der sich zum Auftakt seiner Ausführungen ausgerechnet bei der Heimatpreisverleihung als „heimatlosen Gesellen“ bezeichnete. In seinen Geburtsort Frankfurt, führte der Geschäftsführer des Unternehmens World Resources Company (WRC) in Wurzen aus, sehne er sich nicht zurück. Als Schüler und Student sei er gegen das Establishment gewesen, die damals gängigen Heimatfilme hätten alles andere als Heimatgefühle ausgelöst und bei Auslandsaufenthalten sei es auch nicht unbedingt angebracht gewesen, das Deutsche herauszukehren. Doch die Einstellung habe sich gewandelt. Auf einer Postkarte, auf der ein alter Baum mit intensivem  Wurzelgeflecht abgebildet gewesen sei, habe er den Satz gelesen: Heimat ist der Ort, dem man sich verbunden fühlt. Das sei inzwischen Sachsen für ihn. Und das bedeute für ihn, sich hier zu engagieren – auch mit seinem Unternehmen. Etwas für die weichen Standortfaktoren zu tun, für Wohn- und Lebensqualität, das komme nicht nur der Region zugute, das trage zum Beispiel auch dazu bei, Fachkräfte vor Ort zu halten. „Verbundenheit mit unserem Standort ist Firmenphilosophie“, sagte er – und es klang gar nicht mehr nach „heimatlosem Gesellen“. Heinrich Lillie

Die Nominierten für den Heimatpreis

Kandidaten in Kategorie Einzelperson:
Ingrid Diestel, Markkleeberg
Charlotte Angermann, Markkleeberg/ Auenhain
Horst Bruchmann, Frohburg
Pfarrer Martin Carlitz, Thallwitz
Klaus-Dieter Dittmann, Markkleeberg
Annemarie Engelmann, Borna
Bernd Hoffmann, Plaußig
Werner Kurze, Grimma/Döben
Roland Meyer, Groitzsch/Großpriesligk
Jens Müller, Brandis
Prof. Dr. Erdmann Röhlig, Trebsen/Altenhain
Ekkehard Schmidt, Trebsen
Wolfgang Sieber, Nerchau
Lutz Simmler, Grimma
Reiner Weber, Frohburg/Frauendorf
Petra Koitz, Otterwisch/Großbuch
Dieter Ferl, Wurzen/Roitzsch
Prof. Dr. Heinz Mielke, Machern
Kandidaten in Kategorie Vereine:
Gesellschaft Schloss Colditz
Preußen Möckern 1813/Soziokult. Zentrum Kuhstall
FV Historisches Torhaus zu Markkleeberg 1813
Dorffestverein Großbuch
Heimatgruppe Deutzen
Heimatverein Lastau und Umgebung
Heimatverein Frankenheim-Lindennaundorf
Bezirksgruppe der Vereinigung der Opfer des Stalinismus
Wurzen
IG „Neue Helene“ Neukieritzsch/Groß-Zössen
Heimatverein Nerchau
Kulturinitiative Zwenkau
Kandidaten in Kategorie Jugendpreis Impulse:
Bon Courage e. V. Borna
Kulturbahnhof Markkleeberg
Jugendparlament Borna
Schülerkochteam Mittelschule Falkenhain
Kulturpark Deutzen

Lastauer Bahnhof unterm Hammer

Objekt wird morgen in Berlin versteigert

Colditz/Lastau (ia). Grau und verlassen steht es an einem stillgelegten Gleis - das Laustauer Bahnhofsgebäude. Morgen kommt es im Auftrag der Bahn als Eigentümer unter den Hammer. Der Lastauer ist einer von insgesamt 26 Bahnhöfen bundesweit, die in der heute beginnenden zweitägigen Frühjahrsauktion des Auktionshauses Karhausen AG in Berlin versteigert werden sollen.
Laut Auktionshaus liegt der Umbau von Bahnhöfen zu Wohn- oder auch Gewerbezwecken im Trend und kann mangels Angebot kaum noch befriedigt werden. Ob jemand auf den Zug aufspringt und sich für das Lastauer Objekt begeistern kann, wird sich zeigen, denn die Zeit ist an ihm nicht spurlos vorbei gegangen, das zeigt nicht nur die zertrümmerte Bahnhofsuhr. Das zweigeschossige Bahnhofsgebäude datiert von 1870; neben der ehemaligen Bahnhofshalle und den Diensträumen im Erdgeschoss gibt es auch noch Wohnräume - insgesamt summiert sich die Nutzfläche auf 621 Quadratmeter. Allerdings sind nicht nur die Fenster defekt, auch Sanitär- und Elektroinstallationen sind veraltet, und stellenweise wurden Feuchtigkeit und Pilzbefall festgestellt. Der Bahnhof, zu dem ein 510 Quadratmeter großes Areal gehört, ist im Übrigen ziemlich einsam gelegen. Er befindet sich circa einen Kilometer westlich von Lastau und ist umgeben von landwirtschaftlich genutzten Flächen. Mit mindestens 2500 Euro kann man in die Auktion einsteigen.

Weitere Informationen unter www.karhausen.de.